Es handelt sich bei Lernen um einen über die gesamte Lebensspanne andauernden Prozess, der unser Denken, Handeln und unsere Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Aber wie genau speichert unser Gehirn Informationen? Weshalb vergessen wir mancherlei Gelerntes binnen kürzester Zeit, während andere Inhalte uns ein Leben lang begleiten? Die Wissenschaft des Lernens beantwortet die Fragen, wie unser Gehirn Informationen aufnimmt, verarbeitet und langfristig speichert – und wie wir diesen Prozess gezielt optimieren können.
Dieser Artikel informiert Sie über die Mechanismen im Gehirn, die beim Lernen eine Rolle spielen, die Faktoren, die die Informationsaufnahme fördern oder hemmen, und die besonders effektiven Lernmethoden.
1. Lernen als neurologischer Vorgang
Lernen besteht im Wesentlichen in der Fähigkeit des Gehirns, neue Informationen zu speichern und abzurufen. Dieser Vorgang gründet sich auf der Neuroplastizität, d. h. der Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Funktion durch Erfahrungen zu verändern.
Beim Lernen bilden sich neue Verknüpfungen zwischen Nervenzellen (Neuronen), die man Synapsen nennt. Durch wiederholte Aktivierungen werden diese Synapsen verstärkt und stabilisiert, was als Langzeitpotenzierung bekannt ist. Auf diese Weise wird Wissen im Gehirn „eingebrannt“ und ist später leichter abrufbar.
2. Lern- und Informationsspeicherungsarten Wir lernen und speichern Informationen auf verschiedene Arten:
Explizites Lernen: Das bewusste Lernen von Begriffen, Fakten und Zusammenhängen. Der Hippocampus verarbeitet diese Informationen, die dann in der Großhirnrinde gespeichert werden.
Implizites Lernen: Unbewusstes Erlernen, wie z. B. motorische Fähigkeiten oder Gewohnheiten, die im Kleinhirn und den Basalganglien verankert sind.
Emotionales Lernen: Die Fähigkeit, Informationen zu behalten, wird von Gefühlen wesentlich beeinflusst. Stress kann die Aufnahme hemmen, während positive Gefühle sie fördern.
3. Wie das Gehirn Informationen speichert – Vom Kurzzeit- zum Langzeitgedächtnis Beim Lernen durchläuft eine Information verschiedene Speicherstufen:
Sensorisches Gedächtnis: Extrem kurzzeitig, bewahrt Sinneseindrücke für nur einige Sekunden auf.
Kurzzeitgedächtnis: Hält Informationen für ungefähr 20-30 Sekunden fest. An dieser Stelle wird bestimmt, ob die Information verarbeitet wird.
Langzeitgedächtnis: An diesem Ort werden Informationen dauerhaft abgelegt. Der Übergang vollzieht sich durch Wiederholung, Verknüpfung mit bereits vorhandenem Wissen und emotionale Relevanz.
Wesentlich ist dabei die Wiederholung sowie der Bezug auf Bekanntes (Assoziationen). Je besser neue Inhalte mit bestehenden Erinnerungen verknüpft sind, desto leichter können sie abgerufen werden.
4. Einflussfaktoren für Lernen und Behalten Konzentration
Das Gehirn ist ohne Aufmerksamkeit nicht in der Lage, Informationen effizient zu verarbeiten. Lernen wird durch Ablenkungen, Multitasking oder Erschöpfung erheblich beeinträchtigt.
Emotionen Ein positives Gefühl steigert die Motivation und Leistung beim Lernen. Im Gegensatz dazu können Stress und Angst die Fähigkeit zur Aufnahme verringern.
Schlaf Im Schlaf verarbeitet und festigt das Gehirn Erlerntes. Schlafmangel hat zur Folge, dass das Erinnerungsvermögen leidet.
Ernährung Eine ausgewogene Kost mit Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Vitaminen fördert die Gehirnfunktion.
Bewegung Regelmäßige sportliche Betätigung verbessert die Gehirndurchblutung und regt Neurotransmitter an, die das Lernen fördern.
5. Effektive Lernmethoden laut Forschung Spaced Repetition (Verteiltes Lernen)
Es ist besser, in regelmäßigen Abständen zu lernen, als stundenlang am Stück zu büffeln. So hat das Gehirn mehr Gelegenheit, Informationen zu verarbeiten und im Langzeitgedächtnis abzuspeichern.
Aktives Lernen Das Verarbeiten von Informationen auf aktive Weise – zum Beispiel durch Notizen, Zusammenfassungen oder das Erklären des Lernstoffs – trägt zu einem besseren Verständnis und einer besseren Erinnerung bei.
Multisensorisches Lernen Je mehr Sinne beim Lernen aktiviert werden, desto besser ist es. Die Gedächtnisleistung wird durch Kombinationen aus Lesen, Hören, Sehen und praktischer Anwendung gesteigert.
Anwendung und Repetition Das Anwenden des Gelernten – sei es durch Übungen oder Diskussionen – trägt nachhaltig zur Festigung des Wissens bei.
6. Weshalb geraten Dinge in Vergessenheit?
Das Vergessen ist ein natürlicher Vorgang, der das Gehirn entlastet und Raum für Neues schafft. Faktoren wie Stress, ungenügende Wiederholung oder fehlende Verknüpfungen können jedoch ebenfalls zu Vergessen führen.
Hermann Ebbinghaus’ Modell der Vergessenskurve demonstriert, dass ohne Wiederholung innerhalb kurzer Zeit bis zu 70 % neuer Informationen verloren gehen.
7. Technologische Hilfsmittel zum besseren Lernen Moderne Technologien wie Lern-Apps, digitale Karteikarten (Flashcards) mit Spaced Repetition oder interaktive Online-Kurse fördern ein effizientes Lernen. Sie unterstützen dabei, die geeigneten Inhalte zur richtigen Zeit zu rekapitulieren und das individuelle Lerntempo zu justieren.
8. Fazit:
Lernen ist ein aktives Geschehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Lernen über das bloße Speichern von Fakten hinausgeht. Es handelt sich um einen komplizierten Vorgang, in dem Emotionen, Aufmerksamkeit, Verknüpfungen und Wiederholungen entscheidend sind. Indem man diese Aspekte beachtet und auf wirkungsvolle Lernmethoden zurückgreift, kann man sein Gedächtnis dauerhaft stärken und Informationen über längere Zeit behalten.

